filmecke, fundstücke07.04.2006 05:47h

manchmal Momente, die man nicht so ganz wahr haben möchte. Und so frage ich mich doch tatsächlich, wie es möglich ist, dass Bernd Eichingers ‚Der Untergang‘ in den Top 250 der IMDb vertreten ist (Platz 41) und quasi zum zweitbesten Geschichtsfilm gekührt wurde. Das gibt doch zu bedenken, vor allem wenn man sich einige Kommentare von Leuten ansieht, die wahrlich der Ansicht sind, in ‚Der Untergang‘ ein neues Meisterwerk entdeckt zu haben („The Best WWII movie ever“). Letztendlich ist dieser Film aber nichts weiter als ein kümmerlicher Versuch, der deutschen und somit auch österreicherischen Bevölkerung den Täter-Status abzuerkennen (von wegen es hätte ja nie eine Zustimmung zum Nationalsozialismus gegeben 1), und ein weiterer Beweis für die Unfähigkeit zur Aufarbeitung der Vergangenheit und einer ausführlichen Auseinandersetzung mit der Thematik des Zweiten Weltkrieges bzw. des Nationalsozialismus (was auch eine Auseinandersetzung mit der Shoah impliziert, welche im Film nur als Randbemerkung wahrgenommen wird), die sich eben nicht auf die letzten Tage Hitlers reduzieren lässt. Wiglaf Droste hat übrigens in seiner Anmerkung über das Herumhitlern vollkommen recht, wenn er behauptet: „Lieber Gustav Gans als Bruno Ganz, lieber Entenhausen als Deutschland.“

Warum eigentlich das Thema ‚Der Untergang‘ nochmals zum Leben erwecken? Na, weil die Vorfreude auf „Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ (quasi eine Parodie auf Filme wie ‚Der Untergang‘) einfach zu groß ist: „Hitler lebt und erzählt, wie er wirklich war – ein Schwächling, der nur mit Hilfe des Juden Grünbaum nach oben kam.“ (Medienboard Berlin-Brandenburg)

  1. Wie herzlich Hitler empfangen und von der Tiroler Bevölkerung (teilweise mit Tränen in Augen) umjubelt wurde, als er in Innsbruck zu Besuch war…
filmecke24.03.2006 16:16h

Anfang nächster Woche lohnt es sich zur Abwechslung wieder mal den altbewährten, verstaubten Röhren-Fernseher aus dem Keller zu holen und anzumachen, denn arte strahlt am Montag, den 27. März 2006 um 22:40, den grandiosen Film Lilja 4-ever aus!


Regie: Lukas Moodysson (2002)

Ein fesselndes Teenager-Drama, das von einem sechzehnjährigen Mädchen in einer desolaten Trabantenstadt irgendwo in der ehemaligen Sowjetunion handelt. Der Traum, diese Stadt zu verlassen, liegt nahe, nur leider gerät sie dabei in den Kreislauf des Menschenhändlerrings und verliert somit jegliche Hoffnung auf ein besseres Leben. Ein Film zwischen Gewalt und Prostitution, Hoffnung und Verzweiflung, Traurigkeit und Wut. Eine aussichtslose Gesellschaft, die – laut Moodysson – „zuerst vom Kommunismus geknebelt wurde, und jetzt vom Kapitalismus vergewaltigt wird“. Ein Thema, das uns allen angeht…

Übrigens: Lilja 4-ever ist nicht das einzige Meisterwerk von Lukas Moodysson. Dazu zählen nämlich auch noch „Raus aus Åmål“ und „Zusammen!“, die man eigentlich auch nur weiterempfehlen kann!

(via)

filmecke07.01.2006 23:04h

Da sich Umzug und Telekom Austria nicht besonders vertragen, hab ich meine internetlose Zeit u.A. dazu genutzt, meinen Horizont in puncto Filme zu erweitern… und das mit Erfolg:


Samaria (Ki-Duk Kim)
Samaria löste in mir den ganzen Film über ganz tiefe Gefühle aus, ebenso machte sich eine leichte Nervosität bemerkbar. Das Ambiente in diesem Film ist einfach unbeschreiblich und das offene Ende führt auch letztlich dazu, dass man sich auch im Nachhinein noch darüber Gedanken macht. Sehr schön!

(more…)

filmecke29.06.2005 15:13h

(Ein Film von Chan-Wook Park)

Ein paar Worte zum Inhalt:
Oh Dae-su, ein koreanischer Geschäftsmann und Familievater, wird 15 Jahre lang – scheinbar grundlos – in ein Ein-Zimmer-Appartment, das weder Fenster noch irgendwelche anderen Fluchtmöglichkeiten aufweist, sondern lediglich einen Fernseher und ein Bett zum Schlafen besitzt, eingesperrt. Diese Zeitspanne ist natürlich geprägt von Wahnvorstellungen und Aggressionen, aber auch von einer totalen Auswegslosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Nach seiner unerwarteten Freilassungen nach 15 Jahren schwört Oh Dae-su Rache, möchte allerdings auch den Grund für diese Tortur bzw. Gefangenschaft erfragen. Oh Dae-su sucht verzweifelt nach einer Antwort auf seine Frage, um sich endgültig an denen zu Rachen, die ihn seiner Freiheit beraubt haben und am Tod seiner Frau schuldig sind. Letztendlich findet er eine richtig Antwort, jedoch die Antwort auf eine falsch gestellte Frage; die Frage lautet nämlich nicht „Warum hat er ihn 15 Jahre lang eingesperrt?, sondern „Warum hat er ihn nach genau 15 Jahren freigelassen?“ – diese Antwort löst bei Oh Dae-su natürlich blankes Entsetzen aus…

Einer der besten Filme, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Die Umsetzung der Story glänzt regelrecht vor Genialität und die Atmosphäre, die im Film geschaffen wird, ist teilweise auch atemberaubend. Manche Gewaltszenen erinnern mich ein bißchen an Clockwork Orange; auch bei Oldboy ist im Hintergrund eine melodische, einschmeichelnde und entspannende Musik zu hören, die den Gewaltakt an sich doch etwas verharmlosen lässt. Interessant ist auch die Tatsache, dass sich Oh Dae-su in 15 Jahren Gefangenschaft durch das Fernsehen intensiv weitergebildet hat; was ja an und für sich ein Widerspruch im Hinblick auf die heutige Zeit ist. „Fernsehen macht dumm“ usw. usf…
Fantastisch sind auch die Zitate bzw. Sprichwörter, die im Film vorkommen: zB nach seiner Freilassung stellt ihm sein anonymer Feind per Handy folgende Frage: „Wie lebt es sich in einem größeren Käfig?“. Bei seiner Suche nach der Antwort stößt er mehrmals auf folgendes Sprichwort: „Egal ob ein Sandkorn oder ein Stein, im Wasser gehen sie beide unter.“
Der Film endet dann mit den Worten von Oh Dae-su: „Lache, und die ganze Welt lacht mit dir – weine und du weinst allein.“

filmecke28.06.2005 21:32h

(Ein Film von Takashi Miike)

Der Film handelt – kurz gesagt – von einem verzweifelten und im Filmgeschäft tätigen Mann names Aoyama, der sich nach dem Tod seiner Frau alleine um seinen Sohn kümmern muss. Nach einer kurzen Genesungspause kommt er langsam wieder zu Kräften, und beschließt in weiterer Folge gemeinsam mit seinem Vorgesetzten die Umsetzung einer neuen (Film-)Idee zu verwirklichen. Mit Hilfe einer sog. Audition soll die am besten geeignete Hauptdarstellerin ausgewählt werden. Allerdings hat diese Audition einen sexistischen Begeschmack: Aoyama soll anhand der Bewerbungen seine neue Traumfrau auswählen, die er auch letztendlich findet. Aoyama kann diese Vorangehensweise nicht gerade mit seinem Gewissen vereinbaren, und malt sich infolgedessen in seinen Täumen verschiedene worst-case-Szenarien aus…

Genial durchdachter Film, der sich von einer eigenartigen Liebeskomödie zu einem abgefahren Psycho-Thriller entwickelt. Fantastisch ist auch, dass der Film nach gut einer Stunde die Seiten wechselt: die Liebeskomödie wird eben zum Psycho-Thriller; Realität leitet über in den Traum (worst case scenario); Sexismus wird zu Feminismus… Eine Frau gegen die Männerdominanz!
Leider hinterlässt der Film bis zu dieser Kippstelle einen eher langweiligen Eindruck, da der Aufbau der Story ein doch etwas langwieriger Prozess ist; dennoch erfolgt dieser Wechsel ziemlich schlagartig. Wenn Traum und Realität eins werden, führt das üblicherweise auch zu unerwarteten Wendungen bzw.Überraschungen; dh. in manchen Szenen würde man sich am liebsten unter der Bettdecke verkriechen und alles was auch nur im entferntesten mit Audition zu tun hat, vergessen.