lesezeit31.03.2006 22:15h

Bereits der Buchrücken lässt erahnen, auf welche Methoden H. Miller in seinem Werk zurückgreift und welche Ziele er auch letztendlich verfolgt; dort steht nämlich unter anderem geschrieben:

Miller leuchtet die dunklen Ecken aus, reißt alle Tücher der Scham hinweg und spottet aller Feigenblätter. Er ist Nihilist und ist Gläubiger. Er zerstört die Welt, um sie neu wiederaufzubauen. Besser und schöner, trotzdem.

Das Buch spricht einem förmlich aus der Seele und weckt eine Vielfalt an Emotionen: Hass, Wut, Zorn, Zufriedenheit, Schadenfreude…

lesezeit27.10.2005 16:33h

Was würd’ so gern woanders sein?
Was träumt sich unter Palmen?
Was schnarcht im Stall mit Kuh und Schwein
auf hagelgrauen Almen?

Was ist auf kaltem Fels geborn?
Was glaubt an Stein und Pendel?
Was hustet in sein Alpenhorn
und glaubt, das sei von Händel?

Was kann nicht sagen, wie es heißt?
Was kann ja nicht mal lesen?
Das auf dem Donnerbalken schifft:
das österreicher Wesen.

(Thomas Gsella)

lesezeit09.08.2005 16:03h

Dass dem Wort „bunt“ nicht nur positive Eigenschaften zugeschrieben werden können, sondern auch einen teils pejorativen Beigeschmack besitzt, dürfte spätestens seit der Existenz von Parteifarben und insbesondere durch die neu etablierte Fernsehgeneration klar sein. Wie schön der Kontrast schwarz/weiß doch eigentlich sein kann, beschreibt Tibor Rácskai im Buch „Vom Fachmann für kenner – Lebenshilfe von >Titantic< ":

Plädoyer für s/w

Am Anfang war´s ja noch witzig: Botticelli, van Gogh, Technicolor, Bonbonfarben, Neon. Haha, guck mal, wie bunt! Ein bißchen gutes Gras hätte es auch getan. Farbfernsehn? Scheißdreck! Und auf den Schwarzweißfotos früher haben auch Sie besser ausgesehen. Ich werde mir jetzt den fast blinden Spiegel vom Dachboden ins Bad stellen. 1910, orginal Art déco, garantiert keine Farben. Morgens ein gesundes Grau im Gesicht, rein in die schwarzen Klamotten, Sonnenbrille, und dann könnt ihr mich mal.

lesezeit03.07.2005 17:44h

Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
Dein aschenes Haar Sulamith wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt
er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr andern spielt weiter zum Tanz auf

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen
Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland
er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken
der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus Deutschland

dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith

lesezeit01.07.2005 14:49h

Bin gerade wieder in den Genuss gekommen dieses hervorragende Buch – genauer gesagt Comic – zu lesen. Welches Thema hier behandelt wird, ist glaub ich anhand des Buchtitels /-covers sehr leicht erkennbar: Art Spiegelman verbeitet in seinen Comics die Geschichte seines Vater, der nicht nur die Nazizeit an sich, sondern auch Auschwitz er- und überlebt hat. Das Werk basiert demnach auf einer wahren Begebenheit und besteht insgesamt aus zwei Teilen: Band eins trägt den Titel „Mein Vater kotzt Geschichte aus.“ und beschreibt in erster Linie die Geschichte vor den Kriegsjahren und der deutschen Besatzung. Band zwei „Und hier begann mein Unglück.“ setzt sich mit all den Grausamkeiten auseinander, die im bekanntesten Vernichtungslager (Aschwitz) vorgefallen sind.
Die Art und Weise wie Art Spiegelman diese Geschichte verarbeitet ist alles andere als gewöhnlich: Juden werden als Mäuse dargestellt, Nazis als Katzen, Polen als Schweine und Amerikaner als Hunde. So kommt es auch dazu, dass sich Juden mehrmals als Polen ausgeben, indem sie sich Schweinsmasken aufsetzen, um eben unerkannt zu bleiben und von den Nazis nicht deportiert zu werden. Auch der Zeichenstil hinterlässt einen fesselnden Eindruck, weil er auch irgendwie mit der Geschichte einhergeht: schwarz/weiss, düster und dunkel.
Das Werk regt wirklich zum Nachdenken an, weil das Leben der Juden zur Nazizeit auf eine schreckliche, unschöne aber auch detailgetreue Weise dargestellt wird und verleiht somit einen noch besseren Einblick in damalige Zeit. Pflichtlektüre!